Aktuelle Corona-Situation – Stand 05. Mai 2020

Am heutigen Tag wurden wir durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW in unangemessener Form darüber informiert, dass wir ab Sonntag – und zum Muttertag – die Lockerung des Besuchsverbotes durch geeignete Konzepte umzusetzen haben.

Bei allem tief empfundenen Verständnis für Ihre Situation als An- und Zugehörige und für die Bewohnerinnen und Bewohner im Haus St. Benedikt und St. Josefshaus:

Wir sind über die Art und Weise der Informationspolitik (erst die Presse, dann facebook, dann erst die Altenheime mit Fakten) und über die unbestimmten Vorgaben des Ministeriums nicht nur erstaunt, sondern auch erschüttert. Alle Bemühungen der vergangenen Wochen werden damit bedeutungslos – oder werden zumindest in Frage gestellt.

Ich darf es vorweg nehmen: Wir werden Ihnen bis Sonntag ein Konzept und Verfahren für koordinierte Besuche vorstellen und anbieten. Ich darf Sie aber auch darüber in Kenntnis setzen, dass ich als verantwortlicher Einrichtungsleiter hierfür keine Verantwortung mehr übernehmen kann – weder für die Bewohner noch für die Mitarbeiter, die in Ihrem privaten Verhalten alles Erdenkliche tun – und unterlassen – um die Bewohner nicht zu gefährden und das Infektionsrisiko zu minimieren.

Daher werde ich in den kommenden Tagen neben einer Besucherregelung eben auch für mich zu entscheiden haben, ob ich persönlich diese Position als Einrichtungsleiter noch ausüben und vertreten kann und werde. Denn ich habe – neben der enormen Arbeitsbelastung (und die meiner Kollegen) nicht nur große Sorge, sondern auch Angst. Angst vor der Art, wie und unter welchen Umständen Menschen mit und an dem Corona-Virus sterben.

Wir waren bereits in der Vorbereitung, Ihnen ab der kommenden Woche eine Besuchsregelung auch für das Haus St. Benedikt anbieten zu können. Auch diese Planungen sind durch die Vorgaben des Ministeriums zunichte gemacht worden. Aber es erhöht durch symbolische Politik eben auch die Popularitätswerte der politischen Protagonisten. Denn: „The winner takes it all.“

Wir werden Ihnen bis Donnerstag – und in Abstimmung mit dem Bewohnerbeirat – ein Besuchskonzept vorlegen, das Ihnen sowohl räumliche wie auch zeitliche Möglichkeiten anbietet. Ich darf Sie indes darum bitten, uns in den kommenden Tagen nicht mit sicherlich gut gemeinten Anrufen, Ratschlägen, Nachfragen und Vorschlägen zu überhäufen. Lassen Sie uns bitte in Ruhe über die Durchführung der Lockerung zum Besuchsverbot unter den vom MAGS NRW definierten Gesichtspunkten nachdenken und planen. Es muss nun in sehr kurzer Zeit viel vorbereitet, koordiniert und organisiert werden. Zeitgleich gilt es, Mitarbeiter aus ihrem freien Wochenende in den Dienst zu beordern, damit wir die Lockerungen mit den Vorgaben auch gewährleisten können (Begleitung der Bewohner zu den Besucherpunkten, sicherlich auch Begleitung in der anschließenden Emotionalität). Schade für meine Kolleginnen, die auch Mütter sind und ein Recht auf den Muttertag hätten.

Um es Ihnen vorweg deutlich zu machen. Es ist zeitlich, räumlich und organisatorisch nicht möglich, dass alle Bewohner in beiden Einrichtungen bereits am Sonntag schon besucht werden können. Aber vielleicht auch dies: Muttertag ist jeden Tag. Auch von daher möchte ich an Ihre Geduld und an Ihr Verständnis appellieren.

Abschließend darf ich Sie an Ihr Verantwortungsbewusstsein und Ihr Verständnis erinnern, das Sie seit dem 13. März – sicherlich unter Schmerzen und Opfern – für die Schutzmaßnahmen gezeigt haben. Es wäre gut, wenn Sie dieses Bewusstsein auch für die Rahmenbedingungen der Besuchsregeln weiterhin zeigen. Denn wir können nur jene Besuche zulassen, die unter den Geboten der Ehrlichkeit zweifelsfrei keine Symptome aufweisen und dies durch ein Screening und durch eine Selbsterklärung schriftlich dokumentierten. Und wir bitten bereits jetzt um Nachsicht, wenn wir im Rahmen der Regelungen nicht alle Ihre individuellen Wünsche und Bedürfnisse zu einhundert Prozent erfüllen werden und können.

Bis hierher danke ich für Ihr Verständnis, das im Übrigen dafür gesorgt hat, dass wir bisher im Haus St. Benedikt gemeinsam und auf Augenhöhe durch diese Krise gehen konnten.

Das Schreiben zur Lockerung des Besuchsverbotes an die Einrichtungen füge ich diesem Schreiben bei (durch download von der Internetseite und als Anhang zum newsletter als mail).

Herzliche Grüße.

Andreas Plietker

-Einrichtungsleiter-

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