Aktuelle Corona-Situation – Stand 16. u.17. April 2020

Das Leben mit dem Corona-Virus ist ein Auf und Ab und ein Hin und Her. Zeichen der Hoffnung und Entspannung wechseln sich ab kleinen Rückschlägen und Trauer.

Wir bedauern als Haus- und Dienstgemeinschaft seit gestern zutiefst den Tod eines zweiten Bewohners im Haus St. Benedikt. Unsere Gedanken sind bei der Familie, verbunden mit dem Dank für das Verständnis und Entgegenkommen in dieser für alle schwierigen Zeit. Mit unserer Anteilnahme und unseren Dank verbinden wir den Wunsch, dass die Familie des Verstorbenen gut durch die Zeit der Trauer gehen kann.

Die Zahl der erkrankten Bewohner stagniert derzeit. Es gibt erste hoffnungsvolle Anzeichen, dass die ersten Erkrankten nach einer abschließenden Testung die Isolation verlassen können. Wir warten ferner noch auf ein Testergebnis, das darüber entscheidet, ob wir am Sonntag für die Wohnbereiche 2a und 3 die Zimmerquarantäne aufheben können. Es sind also die ersten zarten Zeichen der Entspannung erkennbar.

Am heutigen Tag hat die zweite Gruppe von Mitarbeitern, die über sieben Tage in 12-Stunden-Schichten gearbeitet hat und in Hotels untergebracht war, ihren Dienst beendet. Wir sagen Dank für die gute Zusammenarbeit und für die Entbehrungen während dieser Zeit. In den Dank schließen wir die Familien der Mitarbeiter ein.

Und morgen kommen jene Mitarbeiter wieder, die bereits in der ersten Woche die Bewohner versorgt haben, wiederum für sieben Tage, wieder in 12-Stunden-Schichten. Zumindest hat sich dieses System der Versorgung bewährt, denn damit konnte eine weitere Ausbreitung der Erkrankung bis jetzt erfolgreich verhindert werden. Danach wird das System beendet

Ich darf Ihnen am Ende der ersten vierzehn Tage vielleicht auch etwas über die Kollegen in der Hauswirtschaft und Küche berichten. Das Team der Küche hat bereits vor vier Wochen die Arbeitsweise vollständig umorganisiert und sich in zwei feste Teams aufgeteilt, die im Rhythmus von drei Tagen arbeiten. In diesen drei Tagen arbeiten sie in geteilten Diensten, sind also morgens und vormittags und am späten Nachmittag im Dienst, um die Mahlzeiten vorzubereiten. Aufgrund der Zimmerquarantäne hat die Küche die Mahlzeitenversorgung im laufenden Betrieb vollständig vom Büffetsystem auf das Tabletsystem umgestellt, und zwar im vollen laufenden Betrieb. Gleiches gilt für die Kollegen der Spülküche und für die Mitarbeiter der Wäscherei, die neben der ganz normalen Wäscheversorgung nun auch täglich die Mitarbeiterkleidung waschen. Auch hier arbeiten die Kollegen derzeit in geteilten Diensten.

Wir haben vor zwei Tagen damit begonnen, dass wir in der Einzelbetreuung die Bewohner zu Spaziergänge in den Garten einladen. Auch dies sind erste Zeichen der Entspannung und Normalisierung, aber immer noch mit angezogener Handbremse und verhaltenem Optimismus. Und so hoffen wir, dass wir in der kommenden Woche Zug um Zug zumindest für die Wohnbereiche 1, 2a und 3 wieder in das halbwegs normale Leben zurückkehren.

Wir vermuten, dass die Landesregierung über das Wochenende einige Verordnungen, die bis zum 19.04.2020 befristet waren, neu fassen werden. Darin – so glauben wir – wird auch die Lockerung von Besucherregelungen thematisiert. Hierzu werden wir uns in der kommenden Woche dann näher äußern. Wir werden Sie voraussichtlich aber noch um ein wenig Geduld bitten müssen. Fakt ist: Momentan leben immer noch 15 erkrankte Bewohner im Haus. Ein Aufflammen der Erkrankungen möchten wir durch voreilige Entscheidungen verhindern. Und ich hoffe, dass wir Sie als An- und Zugehörige hier als Partner an unserer Seite wissen. Ich weiß, wie schwer Ihnen das fällt. Und ich danke für Ihre Geduld und Ihr Verständnis.

Auch wenn die Fastenzeit schon eine Woche hinter uns liegt, so ist mir beim Gang durchs Haus das Hungertuch von Misereor ins Auge gefallen, das immer noch bei uns im Eingangsbereich hängt.

Es trägt den Titel „Mensch- wo bist du?“. Ich finde, es zeigt die Absurdität dieser Tage. Das offene Haus im Zentrum – Sinnbild der Einkehr, der Begegnung, der Offenheit und des Lebens. So, wie es eigentlich sein müsste. Und dann dieser feste, geschlossene Ring um dieses Haus – wie ein Bollwerk und eine Abschottung vor der Außenwelt – unheimlich real. Und in einem Impuls zu diesem Bild heißt es „In meinen Haus – 40 Tage nach Dir suchen – Frieden finden“. So scheint es wohl derzeit – 40 Tage suchen nach Begegnungen, 40 Tagen suchen nach Antworten auf die vielen Fragen. Und dann noch Frieden finden?

Und trotzdem erleben wir nach wie vor ein offenes Haus – offen für Verständnis, offen für das Aushalten dieser Zeit, offen für ein gemeinsames friedfertiges Miteinander, offen für andere Formen der Begegnung, offen für Ihr Vertrauen. Auch dies sind Zeichen für das Suchen nach Frieden – und für das Finden von Frieden – nur irgendwie ganz anders.

Nie war ein Hungertuch für die Fastenzeit in der nachösterlichen Zeit aktueller. Und hoffentlich muss es auch nie wieder so sein!

Vielen Dank für Ihren Langmut, dies alles zu lesen.

Herzliche Grüße im Namen der Dienstgemeinschaft.

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