Aktuelle Corona-Situation – Stand 24. u. 25. April 2020

Nach nahezu drei Wochen Corona-Krise im Haus St. Benedikt fällt es uns mittlerweile schwer, die Informationen für Sie als An- und Zugehörige neu zu formulieren. Es liegt zum einen daran, dass die Skurrilität dieser Tage einen eigenen Rhythmus und eine Regelmäßigkeit bekommt – zum anderen bleiben immer noch Zeichen von Hoffnung einerseits, aber auch Traurigkeit andererseits.

Wir betrauern die dritte Bewohnerin, die vorgestern verstorben ist. Wir gedenken der Verstorbenen und sprechen der Familie im Namen aller Kolleginnen und Kollegen sowie Pfarrer Jürgen Heukamp unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl aus. Bei aller positiven Entwicklung der vergangenen Tagen sind es eben die Momente, die uns auch und wiederholt vor Augen führen, wie real die Bedrohung durch das Corona-Virus immer noch ist. Wir danken der Verstorbenen, der Familie und den Ärzten für die Klarheit, für das gute Miteinander und das gegenseitige Verständnis.

Sich trennen zu müssen und getrennt zu sein ist wohl die größte Mühsal dieser Erkrankung und Krise. Das gilt für Sie als An- und Zugehörige ebenso wie für die Bewohnerinnen und Bewohner und auch für die Mitarbeiter. Gelegentlich verwenden wir im Haus das Bild von Sieger Köder „Jacobs Traum“, das den Untertitel trägt: Da träumt ihm, eine Leiter sei auf die Erde gestellt (Gen. 28)

Wir denken, es ist ein gutes Sinnbild für die Zeit. Das sich alle Menschen derzeit in der Trennung miteinander verbunden fühlen. Das geht Ihnen als An- und Zugehörige ebenso wie den Bewohnern des Hauses. Es ist zeitgleich Trost und Hoffnung, bleibt aber auch eine Zumutung.

Und dennoch: Den derzeit Erkrankten geht es gut – und täglich erhalten wir neue Mitteilungen und Erkenntnisse, dass einzelne Bewohner das Virus besieht haben. Auch die – Gott sei Dank – wenigen erkrankten Mitarbeiter sind zum Großteil gesundet und kehren in den Dienst zurück.

Am gestrigen Freitag haben wir die drei Wochen anhaltende Quarantäne-Unterbringung der Mitarbeiter in Hotels beendet. Das letzte Team ist nach sieben Tagen mit 12-Stunden-Schichten nach Hause zurückgekehrt. Neben dem Dank an die Kollegen spreche in den Dank stellvertretend auch den beherbergenden Hotels Mutter Bahr in Uffeln und Gronheid in Steinbeck aus. Danke, dass Sie die Kollegen in der Zeit so gut beherbergt haben. Ein weiterer Dank geht an die Gemeinde Recke und an den Bürgermeister Kellermeier, die uns unterstützt haben bei der Organisation. Herr Kellermeier hat die Kollegen am gestrigen Abend mit dankenden Worten in den Feierabend verabschiedet. Wir danken ferner dem Autohaus Schröder und dem Steinbecker Autopavillion sowie der Fahrdienst Alkemeier für die Zurverfügungstellung der Fahrzeuge für die Shuttle-Fahrten zwischen Hotel und Altenheim. Die vergangenen drei Wochen haben – bei aller Anstrengung – gezeigt, dass die Isolation des Hauses und der Mitarbeiter sinnvoll, angemessen und notwendig war, um die weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern.

Ab heute kehren die Mitarbeiter wieder in den Regeldienst zurück und können auch nach Dienstende zu ihren Familien zurück. Auch öffnen wir – nach und nach und mit angezogener Handbremse – die Isolationsmaßnahmen in den Wohnbereichen. Bis auf den Isolationsbereich planen wir in schrittweisen Etappen, dass bis Mitte/Ende kommender Woche auch die gemeinsame Mahlzeiteneinnahme wieder eingeführt werden kann. Spaziergänge in den Garten werden weiterhin angeboten und durchgeführt.

Sorgenvoll betrachten wir, dass durch die Lockerung der Kontaktregeln die Menschen Freiheiten zurückerlangen, diese aber ausufernd ausnutzen. Wir befürchten einen erneuten Anstieg der Infiziertenzahlen und sehen dies auch als weitere Bedrohung für unsere Einrichtungen. Denn durch die Rückkehr in den Regeldienst erhöht sich die Anzahl der Mitarbeiter und somit auch die Ansteckungsgefahr. In den vergangenen Tagen haben wir – auch in der Ortsmitte von Recke – Situationen erlebt, die aufgrund der Menschendichte unsere Sorge begründet. Freiheit ist nicht nur ein unverzichtbares Grundrecht, sondern auch eine Verantwortung und Verpflichtung. Und die eigene Freiheit endet dort, wo ich die Freiheit anderer Menschen gefährde.

Aus diesem Grund haben wir am Donnerstag und Freitag das St. Josefshaus einem Stresstest in Anwendung unserer Notfallpläne unterzogen. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen haben wir den Ausbruch der Erkrankung simuliert und die hierfür notwendigen Umsetzungen auch tatsächlich durchgeführt. Für zwei Tage haben wir die Mahlzeitenversorgung vollständig in die Zimmer und Wohnungen verlegt. Die Kollegen mussten unvermittelt verschärfte Hygiene- und Schutzmaßnahmen durchführen. Wir haben in wenigen Stunden sowohl einen Isolier- und Qurantänebereich ausgebildet sowie die hygienische Ein- und Ausschleusung der Mitarbeiter umgesetzt. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Bewohnerinnen und Bewohner im St. Josefshaus für die Unterstützung und das Verständnis bedanken. Es ist wichtig, in einer Krise schnell und planvoll zu reagieren. Dies ist besonders im Haus St. Benedikt deutlich geworden. Für Sie als An- und Zugehörige im St. Josefshaus soll es auch ein verlässliches Zeichen sein, dass wir auf den Fall der Fälle vorbereitet sind, um die Bewohner zu schützen. Die Schicksalsfragen dieser Tage hingegen vermögen wir nicht zu beherrschen.

Entschuldigen möchte ich mich an dieser Stelle bei allen An- und Zugehörigen im St. Josefshaus für die technischen Probleme in der telefonischen Erreichbarkeit der vergangenen zwei Tage. Durch einen Systemwechsel, der durchgeführt werden musste (Umstellung auf VoIP) konnten Sie für einen Tag die Einrichtung nicht erreichen. Die Probleme waren so nicht geplant und gewollt. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ich darf Ihnen derzeit auch zusichern, dass beide Einrichtungen gut mit Schutzmittel ausgestattet sind. Dies gilt sowohl für den einfachen Mund-Nasen-Schutz wie auch für die FFP-2 Masken. Auch andere Schutzmaßmittel (Schutzkittel, Schutzbrillen, Handschuhe, Desinfektionsmittel, u.a.) sind in ausreichender Menge vorhanden.

Vor dem Hintergrund, dass die Mitarbeiter durchgehend mit Schutzmaßnahmen arbeiten, möchte ich nochmals höflich an die telefonische Erreichbarkeit erinnern. Sie können uns täglich unter der Telefonnummer 05453-220 erreichen (auch das St. Josefshaus). Wir nehmen dort in der Zeit von 9.30 bis 16.30 Uhr Ihre Anliegen auf und sagen Ihnen den Rückruf zu. Bitte rufen Sie nicht direkt in den Bereichen an. Das Telefonieren mit Schutzausrüstung ist problematisch, muss hierzu in Teilen abgelegt werden und gefährdet nicht nur die Pflege- und Versorgungsabläufe, sondern auch den Sinn der Schutzmaßnahmen durch das wiederholte Anlegen. Die Kollegen in den Bereichen rufen Sie zurück und planen dies zeitlich in die Abläufe ein. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Pfarrer Jürgen Heukamp bedanken, der den Einrichtungen in der Krise mit Rat und Tat zur Seite stand und der die Sorge in dieser Zeit mit uns und Ihnen geteilt hat. Und: Pfr. Heukamp war an jedem Freitag, wenn die Teams nach sieben Tag in die Freizeit gingen, zur Verabschiedung und Danksagung da. Jetzt ist der Zeitpunkt, dass wir uns bedanken: Also: Ein herzliches Dankeschön im Namen aller Kolleginnen und Kollegen.

Ihnen hingegen wünsche ich ein gutes und schönes Wochenende.

Herzliche Grüße im Namen der Dienstgemeinschaft.

Andreas Plietker

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